Toni Duz It

Soziale Verwahlosung mit Marcel Proust

Veröffentlicht in Bücher von balkantoni am Dezember 31, 2008

09831836nEs ist Silvester. Ich werde in das neue Jahr hineinlesen. Weapon of choice ist oben zu sehen. Bald, bald ist es leider vorbei. Nächster Duchgang steht vor 2011 nicht an, glaube ich. Was sollte ich als nächstes lesen? Dostojevskis „Der Idiot“? Hildesheimer? Etwas von Joseph Roth?
Das Problem ist: Ich kaufe Bücher schneller als ich sie gelesen bekomme – meistens aus Antiquariaten. „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ habe ich ebenfalls als Gesamtausgabe aus einem Bücherantiquariat erstanden, in drei purpurnen Bänden zusammengefasst, Erscheinungsjahr 1967 bei Suhrkamp. Auf der allerersten Seite war der Name der Vorbesitzerin gestempelt: „Jutta Schlichting“. Wer war sie? Sie hat jedenfalls eine beachtliche Bibliothek in dem Bücherantiquariat hinterlassen, in dem ich auch meine Proust-Gesamtausgabe gekauft hatte, denn ich stoße beim stöbern regelmäßig auf weiter Bücher mit ihrem Stempel: „Zauberberg“, „Reise ans Ende der Nacht“… die Frau hatte einen ausgezeichneten Geschmack, finde ich und glaube deswegen, dass sie verstorben ist und jemand ihre gesamte Bibliothek verhökert hat; vielleicht waren es Enkel, die Juttas Haus geerbt haben und Platz schaffen wollten.
Ich werde mir übermorgen noch ein paar Bücher aus ihrer Sammlung kaufen, glaube ich, denn Juttas Proust-Ausgabe trägt zwar Lesespuren, ist aber ansonsten sehr, sehr gut erhalten (weshalb sie auch ziemlich teuer war) – der offensichtliche Besitz einer Bibliophilen, die sich bestimmt wünschen würde, dass jemand ihre Bücher erbt, der auch gut auf sie aufpasst. Und das werde ich machen; versprochen, Jutta!

2 Antworten

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  1. Krischn sagte, am Januar 3, 2009 zu 3:19

    respekt, ich habe bisher immer einen bogen um die verlorene zeit gemacht, hauptächlich wegen des umfangs

  2. balkantoni sagte, am Januar 3, 2009 zu 10:11

    Man kann es ja auch in Portionen lesen, Teil für Teil. Die verlorene Zeit ist eine Buchreihe, bei der ich tatsächlich behaupten kann, sie hätte mein Bewusstsein gewandelt! Das hat sonst nur Dostojevskis „Schuld und Sühne “ geschafft.


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